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Special: Mit dem Zug durch Amerika oder die Wiederentdeckung der Langsamkeit
In der Regel stellt sich für Reisen in die USA die Frage nach der Miete eines Autos oder eines RVs (Recreation Vehicle/Wohnmobil) um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Dabei gibt es mindestens eine lohnende Alternative: die Eisenbahn.
Begonnen hat alles mit der Erschließung des Westens nach der Fertigstellung der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie im 19. Jahrhundert. Ihren Siegeszug setzte die Eisenbahn fort, bis sie im 20. Jahrhundert vom flexibleren Auto als Transportmittel abgelöst wurde. Nichts desto trotz gibt es bis heute Eisenbahnunternehmen die Strecken im ganzen Land unterhalten. Eines der größten ist Amtrak. Amtrak betreibt neben zahlreichen Strecken an der Ost- und Westküste auch 4 Strecken, auf denen täglich Züge den gesamten Westen durchqueren.
Die nördlichste Route, der sogenannte Empire Builder, verbindet Chicago mit Seattle. Auf seinem Weg nach Westen macht er unter anderem in Milwaukee, St. Paul-Minneapolis, dem Glacier National Park und Spokane halt. Von Seattle aus besteht Anschluß nach Vancouver sowie die gesamte Westküste entlang gen Süden bis nach San Diego, unweit der Mexikanischen Grenze. Neben den großen Attraktionen entlang der Strecke erlebt man auch unzählige kleinere, wie z.B. Rugby/North Dakota, das geographische Zentrum Nordamerikas, oder Fort Buford und Fort Union, beides in North Dakota, sowie eine unbeschreibliche Fahrt durch die Rocky Mountains.
Zentral durch die Vereinigten Staaten verläuft die Route des California Zephyrs. Sie verbindet Chicago mit San Francisco. Auf Ihrer Strecke befinden sich Stationen wie Omaha/Nebraska, Denver mit Anschluß an die Wintersportparadiese Vail und Boulder, sowie Cheyenne, der Hauptstadt des Bundesstaates Wyoming, in der alljährlich im Sommer das größte Rodeo der Welt stattfindet, die Cheyenne Frontier Days. Weiter westlich macht der täglich verkehrende Zug in Winter Park, am westlichen Eingang zum Rocky Mountain National Park, sowie anschließend in der Hauptstadt des Mormonenstaates Utah und gleichzeitig dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2002 Salt Lake City halt. Nach Durchquerung des Wüstenstaates Nevadas macht der California Zephyr nochmals in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, halt, bevor er schließlich in der Hippie Metropole San Francisco, dem Golden Gate am Pazifik, endet. In Green River/Utah besteht zusätzlich die Möglichkeit für einen kurzen Abstechers zum Arches und Canyonlands National Park.
Ebenfalls in Chicago beginnt die Reise des Southwest Chief, dessen Endstation sich in Los Angeles befindet. Auf der Strecke wird in Städten wie Kansas City, Albequerque und Flagstaff halt gemacht. Es besteht die Möglichkeit für Abstecher nach Santa Fee, zum Grand Canyon National Park oder Las Vegas. Außerdem macht der Zug in Gallup, dem modernen Zentrum indianischer Kultur des Südwestens, halt
Der südlichste Routenverlauf gehört dem Sunset Limited, der im sonnigen Orlando beginnt, durch den sonnigen Süden verläuft und im ebenfalls sonnigen Los Angeles endet. Die großen Stationen sind New Orleans, Houston, San Antonio, El Paso und Tucson. Es besteht die Möglichkeit für Abstecher nach Fort Worth, Dallas, zum Saguaro National Park, Phoenix oder zum Josuha Tree National Park.
Neben diesen vier großen Routen durch den Westen existiert natürlich noch eine Unzahl von kleineren, besonders in den Ost- und Westenküstenstaaten. Außerdem besteht auf kanadischer Seite die Möglichkeit den Kontinent mit VIA Rail zu durchqueren.
Städtereisen eignen sich besonders für diese Art zu Reisen. Nahezu alle Großstädte sind an das Schienennetz angebunden. Innerhalb der Großstädte kann man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie U-Bahn oder Bus fortbewegen. Auch Urlauber, die ein Auto gemietet haben, ziehen die U-Bahn oft dem PKW vor, obwohl weiterhin Miete bezahlt werden muß.
Wem eine Städtetour nicht genügt, der kann sich über Anschlüsse mit Greyhound, dem größten landesweit tätigen Busunternehmen, informieren. Im Osten erreicht man so nahezu jedes gewünschte Ziel; die Linien im Westen sind wegen der großen Entfernungen weniger flächendeckend. Es ist auf jedenfall lohnenswert, sich bereits vor dem Urlaub über die Strecken und Preise zu informieren.
Eisenbahnfahren in Amerika ist anders, als wir Europäer das von unseren Hochgeschwindigkeitszügen gewohnt sind. Die Züge fahren in der Regel nie schneller als 70 km/h (meistens nur um die 50). Viele Züge haben am Anfang oder am Ende einen größtenteils verglasten Panoramawagen. Hier läßt sich die gemächlich vorbeiziehende Landschaft am besten genießen. Auch viele Amerikaner nutzen diese Einrichtung und so lassen sich viel schneller und einfacher als vom Auto aus Kontakte mit den Mitreisende knüpfen. Einzig und allein die in den USA allgegenwärtige Klimaanlage ist störend. Wer im Hochsommer mit der Bahn reist, sollte darauf achten, ein warmes Kleidungsstück oder eine Decke mit sich zu führen. Die Wagen werden auf höchstens frostige 19°C gekühlt. Selbstverständlich kann man auch im Zug leichte Decken bekommen; zum Sonderpreis, versteht sich.
Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie bei:
- Amtrak (Offizielle Website des Unternehmens. Hier können Sie auch kostenloses Informationsmaterial anfordern.)
- VIA Rail (Offizielle Website des kanadischen Unternehmens.)
- Greyhound (Offizielle Website des Busunternehmens.)
- Reiseführer: Eisenbahn- Reisen USA. (Die Routen, die Klassiker und die besten Tips zur Bahnreise.)
- Reiseführer: USA. Mit dem Zug erleben. (Informationen, Bahn-Routen und 99 Bahn-Erlebnisziele.)
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